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Deutsch-Belgische Naturpark Hohes Venn Eifel - Hochmoore

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Wielewalers            

(1987): Naturerlebnis (Wielewaal Schelde-Leie, eine Abteilung von Natuurpunt). Im Frühjahr drei Tage mit einer kleinen Gruppe der Abteilung „Wielewaal“ ins Hohe Fenn. Übernachtung im Gite d'Etape d'Ovifat, 4898 Robertville, Belgien.

Pfingstsonntag

  Translation from Dutch into German.
 

 Einen ganzen Tag lang ließen wir unsere Stahlrösser auf dem Kiesparkplatz rasten und wanderten von unserer „Gîte d’Etape“-Hütte mitten in die sonnige, Ruhe ausstrahlende Natur hinein.
„ZEIT“: Wir blicken noch einmal auf die Uhr: Es ist Viertel vor zehn. Das Mittagessen wird bei „Les Six Hêtres“ nach der Sonnenuhr serviert.

Im Wald wandern wir parallel zur Autobahn in Richtung dem Wald von Sourbrodt. Ein munteres kleines Bächlein springt und murmelt einmal links, einmal rechts neben uns. Wir vergessen unseren den Bach aufwärts schlendernden Körper, weil wir der Vielfalt der Pflanzen volle Aufmerksamkeit schenken, die uns Karel Dewaele erläutert.
Hör mal: Twiet, Twiet – der Regenruf der Finken lässt uns kurz nach dem Regenschirm tasten, aber die Tropfen bleiben vorläufig noch an Pflanzen und Bäumen hängen. Wir sehen uns die funkelnde Drahtschmiele (Grasfamilie Deschampsia flexuosa) an, erfahren mehr über die nach Wurzeln riechende Bärwurz, und bleiben kurz beim Wald-Läusekraut stehen. Der Wasserknöterich wartet hier noch auf seine Blüte (Juni – Oktober).

Wir kreuzen den „Voie de fer“. einen befestigten Weg, auf dem einstmals Eisenerz zu den Schmelzöfen Walloniens gebracht wurde. Dann geht es noch einige Meter leicht nach oben und wir biegen ab in Richtung „Neur Lowé“. Ein einzelnes Reh äugt in die falsche Richtung und lässt sich aus nächster Nähe bewundern!

Der Eismann findet hier vielleicht ein billige Quelle, um sein Eis mit Vanille zu parfümieren: Wir lecken unten am Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), das neben dem Vanillegeschmack auch dem Heu seinen guten Geruch verleiht.

In einem sumpfigen Eck steht das Sumpfveilchen (Viola palustris) in voller Blüte.

Jean-Marie 'Hohe Fenn' (1987)

   

(Pfingsten) Hört in allen Sprachen: Das Sommergoldhähnchen, der Sopran des Orchesters, lässt seine höchsten Töne erschallen. Die Sonne strahlt, die Finken zwitschern in ihrem Dialekt und die Regenjacken werden wie Röcke um die Hüften gebunden.

Wärme: Oben auf einem runden Haufen, dicht aneinander geschmiegt, sammeln die Waldameisen (Wiesen-Waldameise, Formica pratensis) das Sonnenlicht mit ihren dunklen Körpern. Sie nutzen die Wärme, um später ihr Nest voller Eier auszubrüten.

Die Flechten weisen auf einen gesunden Wald hin. Sie tragen bis in ihre äußersten Verästelungen bleichgrüne Ausläufer, ein Zeichen von Gesundheit.

Vogelperspektive: Die Sonne hoch dort oben schickt lachend ihre Strahlen auf die kleine Ameisenarmee der Wielewaler, die im Zickzack aus nichts einen Kreis auf der Ebene des Hohen Fenns macht.

Es ist schön, im Grünen Eins zu sein mit dem Wunder der Natur. Die Formen sind nicht mit exakten Formeln zu beschreiben, wie wir sie aus der Geometrie kennen. Wir beschreiben die Pflanzen mit „…artige“ oder „…formige“.

Wir sehen uns die nierenförmige Blüte des Sumpfveilchens an (Viola palustris).

Jetzt nähern wir uns dem Waldrand und gelangen in ein außergewöhnliches begehbares Moor, das der Wald beklemmend geschluckt hat und jetzt nur noch ein Rest des großen Moores von früher ist, das Hohe Fenn …

DER NASSE SCHWAMM: Die Wielewaler laufen – ähnlich wie manche kleinen Basilisken, die im Niederländischen „Jezus Christushagedis“, also Jesus-Christus-Eidechse, genannt werden – auf dem Wasser:
Jan De Potter, unser Führer, lotst uns an die nassesten Stellen am Rande des Moors „Neur Lowé“. Wir fühlen, wie das Moor sich unter unseren Füßen auf dem Wassersack bewegt, und beobachten mit dem einen Auge, wie sich die vor uns laufende Person anstellt, und mit dem anderen Auge suchen wir nach einer möglichst nahen festen Stelle. Es kommt darauf an, nicht stehenzubleiben und keine brüsken Bewegungen zu machen, um das grüne Vlies nicht zu zerreißen, denn Aal schmeckt besser vom Teller als aus den eigenen Stiefeln!

Beeren: Wir suchen jetzt den Pfad vom vorigen Jahr quer durch das Moor auf. Auf halber Strecke erkennen wir drei Beerensorten, die wir gestern kennengelernt haben:

- zuerst die Blau- oder Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) mit dem weichen gelbgrünen Blatt und dem grünen eckigen Stängel,
- dann die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) mit dem lederartigen winterharten Blatt und dem holzigen Stängel,
- und zuletzt die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) mit ihrem blaugrünen Blatt und dem runden holzigen Stängel.

 
  Wir schließen uns jetzt zusammen, um die „große Straße, einen befestigten Weg, Richtung Beaulou oder Beleu zu überqueren. Wir sehen das Waldschaumkraut (Cardamine flexuosa) mit seinen kleinen Blüten freundschaftlich neben dem Wiesenschaumkraut stehen.

Die Ohren gespitzt: Wir hören den Waldlaubsänger und konzentrieren uns auf all die Geräusche des Waldes. Der Kreuzschnabel lässt sein metallenes Tschiep-Tschiep ertönen.

Am vierten Weg links biegen wir nach Süden ab und wandern am Rand des Setay-Moores entlang – ein langer, gerader Weg, mit offenem Blick auf den linken Rand des Moores.

Spektakel: Kurz erhaschen wir einen Blick auf eine Wacholderdrossel und können in Ruhe den Baumpieper beobachten: Er schwebt zwitschernd von Baum zu Baum. Der Aurorafalter flattert zu seinem Brautstrauß, wo das Weibchen auch seine Eier ablegt. Er verdeckt ein Wiesenschaumkraut mit ausgebreiteten Flügeln, seine leuchtend orangeroten Flügelspitzen faszinieren, die Sonne betont sie noch.

Mit den alten Pionierkarten tauchen wir tiefer in die Landschaft ein, die immer bewaldeter wird. In einem langen Querweg flüchten Rehe scheu in den Wald.

ZEIT: Hungrig geworden schlagen wir den kürzesten Weg zu den „Six Hêtres“ ein. Im Laub von fünf alten (weisen) Buchen und einer noch in die Lehre gehenden jungen Buche picknicken wir wie früher die Schäfer. Wir suchen die pralle Sonne – mein Hemd – und alles was darunter sitzt – liegt da und bleicht in der Sonne.

Die Stiefel schnappen nach Luft und dampfen wir Schornsteine in der intensiven Frühjahrssonne!

Die Füße etwas tiefer, weich auf dem Teppich der Drahtschmiele, den Kopf leicht geneigt haltend liegen wir glückselig da und blinzeln mit zusammengekniffenen Augen in die Luft.

Das tadellos verpackte Picknick gluckert in unseren Mägen. Wir sind satt.

Die Zeit ist um: Die Ältesten stehen bereits mit Sack und Pack bereit, als wir, die wir das Zeitgefühl völlig verloren haben, unsere Augen öffnen.

Sie schlendern jetzt direkt auf das Fraineu-Moor zu. Wir gewahren ein prachtvolles Panorama über das Moor hinweg.

Die Wanderung führt jetzt nach links an den Rand des Moores mit dem Ziel „La cabane de Négus“, dort wohnte einst ein Schulmeister. Er kehrte der Gesellschaft den Rücken zu und lebte dort wie ein Primat zwischen Moor und Wald.

Ab und zu sehen wir den Bussard sein Reich überschauen. Wir laufen am „Tros Marets“ zur großen Straße, um dann etwas weiter oben in den schwer zu findenden „Trois Hêtres“ herauszukommen.

Eine für Rehe angesäte Kleewiese trägt unseren Zug.
Der Zahn der Zeit: Wir gehen am „Kreuz von Dideberg“ („La Croix Dideberg“) vorbei, um zur Eiche „tchâne as tchânes“ (örtlicher Dialekt) zur gelangen. Die einsame verkrüppelte Eiche wartet geduldig, bis ein jüngeres Exemplar genug Standvermögen hat, um die Aufgabe als „Eiche der Eichen“ zu übernehmen.

Zwischen den alten Wacholdersträuchern stoßen wir auch auf eine künstliche Plantage – die Beeren sind wegen ihres Aromas sehr begehrt.
Etwas weiter entfernt wächst Goldrute und die Schattenblume blüht.
An den wilden Apfelbäumen vorbei gelangen wir zum Wasserfall und folgen dem „Bayehon“, um in einer Linkskurve zusammen mit dem „Rau de Ghaster“ entlang der Skipiste zu unserer Hütte zu ziehen.

Ruhepunkt: Sonntagabend, der Montag naht … das flämische, deutsche – oder war es ein wallonisches – Kotelett mit Pommes frites, reichlich begossen mit edlem Getränk, ließ uns am späten Abend unter den Decken in den Schlaf gleiten.

Das Wiesenschaumkraut.
„Der Aurorafalter flatterte zu seinem Brautbukett“. (Tagebuch JM 1987, Kortrijk)
Pflanzenführer NATUURPUNT

 

 

 

 

 
 

 

 
   

 

 
   

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